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Benedikt-Stattler-Gymnasium
Bad Kötzting
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News 2013

BSG besuchte das KZ in Mauthausen„Wenn es einen Gott gibt, dann soll er mich um Verzeihung bitten!“

Bad Kötz­ting/Maut­hau­sen. Die­sen Satz kann man an den Wän­den von Ba­ra­cken des ehe­ma­li­gen Kon­zen­t­ra­ti­ons­la­gers in Maut­hau­sen le­sen. Den Hin­ter­grund da­für er­fuh­ren die 9. Klas­sen des Be­ne­dikt-Statt­ler-Gym­na­si­ums, als sie die­se Ge­denk­stät­te be­such­ten. Das Wet­ter, grau mit Schnee­fall, trug da­zu bei, dass sich die Schü­le­rin­nen und Schü­ler bes­ser vor­s­tel­len konn­ten, un­ter wel­chen Be­din­gun­gen die Häft­lin­ge dort ar­bei­ten und le­ben muss­ten.Wenn die Häft­lin­ge im La­ger an­ka­men, muss­ten sie sich aus­zie­hen und bei je­der Tem­pe­ra­tur dar­auf war­ten, dass sie ent­laust, ge­scho­ren und eis­kalt im Wech­sel mit heiß ge­duscht und mit An­stalts­k­lei­dung so­wie ei­ner Num­mer ver­se­hen wur­den.

Das KZ Maut­hau­sen wur­de am 8.8.1938 er­baut und am 5.5.1945 von de­rUS-Ar­mee be­f­reit. Ei­ner der Haupt­grün­de für den Bau des Kon­zen­t­ra­ti­ons­la­gers in Maut­hau­sen war, dass es dort ei­nen gro­ßen Stein­bruch gab, den so­ge­nann­ten „Wie­ner Gr­a­ben“. Hit­ler brauch­te den Granit für sei­ne Pracht­bau­ten, vor al­lem für die in Linz. Un­glaub­lich, dass die Wach­mann­schaf­ten der SS (Schutz­staf­fel) vor dem La­ger ei­nen Swim­ming­pool und ei­nen Fuß­ball­platz für ih­re Frei­zei­t­ak­ti­vi­tä­ten an­ge­legt ha­ben!

Er­schüt­ternd ist auch die „To­des­s­tie­ge“ zum Wie­ner Gr­a­ben. Die Häft­lin­ge muss­ten am Tag im Stein­bruch ar­bei­ten und am Abend die stei­le Trep­pe be­la­den mit Stein­qua­dern hin­auf klet­tern. Da sie schon sehr ge­schwächt wa­ren, gab es auch hier­bei vie­le To­te, vor al­lem wenn die SS die Er­sc­höpf­ten zum Stol­pern brach­te, so dass sie im Fal­len ih­re Ka­me­ra­den mit in den Tod ris­sen.Auch die Du­sch­räu­me, die Gas­kam­mer und das Kre­ma­to­ri­um kann man be­sich­ti­gen. Un­vor­s­tell­bar, wel­che Grau­sam­kei­ten sich dort ab­ge­spielt ha­ben. Die Lei­ter der ein­zel­nen Grup­pen be­rich­te­ten De­tails über das Le­ben und Ster­ben im La­ger, zum Bei­spiel über die Ba­ra­cken, in de­nen bis zu 150 Häft­lin­ge schla­fen muss­ten, teil­wei­se zu dritt in ei­nem Bett. Im Som­mer war es dort we­gen der Blech­dächer glüh­end heiß, im Win­ter eis­kalt. Der Block Num­mer 20 hat für die Ge­schich­te des La­gers ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung. Von dort aus un­ter­nah­men die Häft­lin­ge, rus­si­sche Of­fi­zie­re, die ei­gent­lich bei der „Ak­ti­on-K“ (K =Ku­gel) er­schos­sen wer­den soll­ten, am 2. 2. 1945 ei­nen Flucht­ver­such, den aber nur 9 von 500 über­leb­ten.

Im Kon­zen­t­ra­ti­ons­la­ger Maut­hau­sen soll­ten die Häft­lin­ge vor al­lem durch un­men­sch­lich har­te Ar­beit ge­tö­tet wer­den. Je­doch wur­den auch ca. 4500 Häft­lin­ge in den Gas­kam­mern er­mor­det. Dies wa­ren po­li­ti­sche Geg­ner Hit­lers, Ju­den, Kriegs­ge­fan­ge­ne aus ver­schie­de­nen Län­dern, Kom­mu­nis­ten, Sin­ti und Ro­ma, Ho­mose­xu­el­le und Kri­mi­nel­le.

Im Gan­zen wur­den zwi­schen 95.000 und 100.000 Men­schen dort er­mor­det. Da­bei sind je­ne Men­schen, die in den Mo­na­ten nach der Be­f­rei­ung an den Krank­hei­ten oder Man­ge­l­er­schei­nun­gen ver­star­ben, die sie sich im La­ger zu­ge­zo­gen hat­ten, noch nicht mit­ge­rech­net. Über­le­ben­de be­rich­ten in ei­nem be­we­gen­den Film über ihr Le­ben und die Schi­ka­nen im La­ger. Le­on Ce­glarz aus Po­len sag­te: „Ich war über­zeugt, dass ich über­le­ben muss.“ Als Zeit­zeu­ge kann er uns ein­drucks­voll ver­mit­teln, was un­ter ei­nem Sch­re­ckens­re­gi­me al­les mög­lich ist und dass wir al­les da­ran set­zen müs­sen, dass sich so et­was nie­mals wie­der­ho­len kann.

Auch wenn es für uns jun­ge Men­schen sehr scho­ckie­rend ist zu se­hen, was sich vor 70 Jah­ren un­ter den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten zu­ge­tra­gen hat, ist es doch not­wen­dig, dass wir dar­über ge­nau in­for­miert wer­den. „Ein Be­such in der KZ-Ge­denk­stät­te be­wirkt mehr als 10 Ge­schichts­stun­den!“

Sa­rah Ba­um­gart­ner, 9a