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Benedikt-Stattler-Gymnasium
Bad Kötzting
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Aktuelles 2018

GrenzfragenDie Sechstklässler des Benedikt-Stattler-Gymnasiums besuchten das römische Regensburg

Das Ru­dern war da­mals wie heu­te ei­ne ziem­lich an­st­ren­gen­de An­ge­le­gen­heit.

Die Exis­tenz von Gren­zen be­ruht grund­sätz­lich wohl auf der Exis­tenz von Geg­nern, oder an­ders: oh­ne Fein­de kei­ne Gren­zen (ob Nach­barn Fein­de und Gar­ten­zäu­ne Gren­zen sind, sei bei die­ser De­fini­ti­on ein­mal au­ßer Acht ge­las­sen). Die Fra­ge, ob es die Mensch­heit oh­ne je­g­li­che Form von Gren­zen ge­ben kann, führt wohl gleich zur nächs­ten Fra­ge, näm­lich ob je­mals übe­rall und ewig Frie­den herr­schen kann auf die­ser Welt. Im Rö­mer­reich zu­min­dest gab es ei­nen sol­chen Frie­den nicht bzw. höchs­tens vor­über­ge­hend: Die To­re des Ja­nus-Tem­pels blie­ben of­fen, wenn Krieg war, und sie wur­den ge­sch­los­sen, wenn ein­mal nicht ge­kämpft wur­de. Au­gus­tus rühm­te sich, dass un­ter sei­ner lan­gen Herr­schaft die To­re drei­mal ge­sch­los­sen wur­den – den spä­te­ren Kai­sern ge­lang die­ses kaum.

Die Gren­zen des Rö­mer­reichs – die na­tür­li­chen wie die Do­nau oder die künst­li­chen wie der Li­mes – soll­ten Fein­de ab­weh­ren, die es an­ge­sichts der Blü­te der rö­mi­schen Zi­vi­li­sa­ti­on auf Be­rei­che­rung ab­ge­se­hen hat­ten. Und die Rö­mer ach­te­ten sehr dar­auf, dass ih­re Gren­zen nicht über­wun­den wur­den, hun­der­te von Pa­trouil­len­boo­ten sorg­ten zum Bei­spiel im Nor­den des Reichs für Grenz­si­che­rung und Ab­sch­re­ckung. Wie die Schü­le­rin­nen und Schü­ler des Be­ne­dikt-Statt­ler-Gym­na­si­ums auch in die­sem Jahr wie­der er­fah­ren durf­ten, wa­ren die Le­gio­nä­re ziem­lich gut da­rin, die Reichs­g­ren­zen dicht zu ma­chen. Auf den Schif­fen des Typs „na­vis lu­so­ria“ konn­ten die Sol­da­ten die ger­ma­ni­schen An­g­rei­fer mit ei­nem Pfeil­ha­gel über­schüt­ten, pro Mi­nu­te konn­te ein Schiffs-Le­gio­när sechs bis acht Pfei­le in die Luft ja­gen. Und die Le­gio­nä­re zu Land wa­ren, wenn sie in ih­ren Ko­hor­ten in Reih und Glied her­an­mar­schier­ten, wie rie­si­ge Sta­chel­wal­zen, mit ih­ren „gla­di­i“ sta­chen sie hun­dert­fach ge­gen den Feind und schlu­gen ihn so in die Flucht. Und den­noch wa­ren die Rö­mer nicht frem­den­feind­lich, son­dern durch­aus zur In­te­g­ra­ti­on fähig. Auch wenn es oft mit Här­te ge­schah, aber die Ibe­rer, die Gal­li­er und Da­ker wur­den dank der „pax Ro­ma­na“ und der sprich­wört­li­chen Mil­de der Rö­mer („cle­men­tia“) Tei­le des Reichs, mit­un­ter brach­te es ein Pro­vin­zia­le so­gar zum Kai­ser. Auch an der Nord­g­ren­ze kam es zur An­nähe­rung, den Li­mes ent­lang trieb man mun­ter Han­del, in Köln gab es ei­nen Aquä­d­ukt, der die blüh­en­de Stadt mit fri­schem Ei­fel­was­ser ver­sorg­te, die Ger­ma­nen lern­ten den Haus-, Wein- und Obst­bau von den Rö­mern. Jahr­hun­der­te­lang war die­ses Sys­tem ziem­lich sta­bil, bis in­ne­re Kri­sen das Reich schwäch­ten, pa­ra­do­xer­wei­se am meis­ten dort, wo man die stärks­ten Gren­zen auf­ge­baut hat­te.

Ob nun Ab­g­ren­zung die maß­geb­li­che Ei­gen­schaft der men­sch­li­chen See­le ist oder An­nähe­rung, ist ei­ne phi­lo­so­phi­sche Fra­ge, die schwer zu be­ant­wor­ten ist. Was die Rö­mer an­geht, so könn­te man sa­gen, ihr Reich ist un­ter­ge­gan­gen, weil zu vie­le Fein­de ein­ge­drun­gen sind – man könn­te aber auch sa­gen, weil sie die­se nicht mehr zu „so­ci­i“, zu Bun­des­ge­nos­sen ma­chen konn­ten. Dass die Ge­schich­te wie auch die Ge­gen­wart voll von sol­chen Wi­der­sprüchen ist, ha­ben die Schü­ler vi­el­leicht er­ah­nen kön­nen, als sie auf der Na­ab ru­der­ten und sich fühl­ten wie an die Zäh­ne be­waff­ne­te, mit den Geg­nern Ge­schäf­te trei­ben­de Rö­mer.

Die Aus­rüs­tung der Schü­ler des 21. Jahr­hun­derts - der Ruck­sack -wur­de durch Schild, Helm und Schwert der rö­mi­schen Le­gio­nä­re ge­tauscht.